Ein Gastblog von Dr. Matthias Kopetzky!!
Was die Forcierung von Großbauprojekten mit den Forderungen und Ideen der studentischen Jugend im Audimax verbindet
Das Audimax der Universität Wien dient nunmehr in der dritten Woche als öffentliche Plattform für ein erstes studentisches Aufbegehren seit gut ein paar Jahrzehnten. Wie immer man zu den Forderungen der Studierenden stehen mag, so ist es doch für viele mehr als überraschend, dass diese Jugend zu so was überhaupt in der Lage ist. Und wie die dazu in der Lage sind. Ein interessierter – um nicht zu sagen von Neugierde getriebener – Besuch nach der langen Nacht der Forschung kurz nach 24.00 ergab, dass man gleich einmal einem Guide “in die Hände fiel” , der einem eine Führung(!) anbot. Was dann an Organisation in einer 20-minütigen Tour präsentiert wurde, macht Mut, dass man sich zumindest um die Management-Fähigkeiten der nächsten Generation ganz sicher keine Sorgen wird machen müssen.
Da fällt die momentane Politikgeneration sichtbar ab. Was da aus der Politik bis dato an Lösungsvorschlägen und Herangehensweisen geboten wurde, kann man bestenfalls als inkonsistent bezeichnen, um das Wort chaotisch nicht benutzen zu müssen. Die Wortmeldungen waren entweder Themenverfehlungen (“Wir müssen lernen, mit den Mitteln auszukommen” ) oder Provokation (“Audimax in Geiselhaft” ), waren aber jedenfalls frei von jeglicher Lösungskompetenz.
Was gilt in Österreich als Investition? – Hauptsächlich Beton. Es ist höchst interessant, dass faktisch unisono, wenn von “Investitionen in die Zukunft” die Rede ist, fast ausschließlich Beton (als Synonym für Bau) gemeint ist. Koralmtunnel ist eine Investition. Bahnhöfe sind Investitionen. 15min Zeitersparnis auf der Bahn von Wien nach Salzburg sind eine Investition. Banken aus der Krise gekauft heißt Investition.
Universitätslehrer und Lehrer im Allgemeinen sind Personalaufwand. Studienplätze sind Bildungsaufwand. Schul- und Universitätsausstattung sind Sachaufwand. Studierenden-Drop-outs sind verlorener Aufwand.
Studienplätze …
Nach Meinung unserer gegenwärtiger Krisenüberwindungsexperten müssen derzeit die “Investitionen forciert” und beim “Aufwand gespart” werden. Und genau so sieht unsere Bildungs- und Investitionspolitik seit Jahren auch aus. So wie es scheint, kreist die Diskussion letztlich um ein uneinheitliches Verständnis, was nun wirklich eine Investition (in die Zukunft) in diesem Land sein soll.
Die Problematik des Sozialabgabenbetruges im Bau ist noch völlig ungelöst. Dadurch bewirkt jede weitere Investition eine weitere Verschärfung dieser täglichen Verluste der öffentlichen Hand und damit der Steuerzahler. Eine simple Nachfrage der politisch Verantwortlichen bei “ihren” Institutionen (Finanz, Sozialversicherung) würde ergeben, dass man sich dort de facto mafiösen Strukturen gegenüber sieht, denen mit den momentanen Mitteln nicht mehr Herr zu werden ist.
Jede Großbaustelle (Bahnhof, Autobahn, Tunnel,…) vergrößert dieses Problem gesamtwirtschaftlich betrachtet zusätzlich, weil gewisse Subauftragsbereiche ohne diese Scheinfirmen gar nicht mehr zu funktionieren scheinen. Ja selbst die Ausschreibungen sind schon spannende Geschichten für sich.
… als Investment begreifen
Was aber, wenn wir uns auf einen völlig neuen Investitionsbegriff einigen könnten? Wenn jeder Studienplatz als Investition und nicht als Aufwand gesehen wird. Dann käme man rasch zum Ergebnis, dass mehr gut ausgestattete Studienplätze ein Mehr an Investitionen bedeuten würde. Der “Output” dieser Investitionen sind gut ausgebildete “Gehirnarbeiter” und die Voraussetzung für alles, was wir uns sonst so sehr wünschen: Forschungscluster, Technologieparks, Unternehmensgründungen im Hightech-Bereich.
Da wird es auch keiner gießkannenartigen Forschungsförderungen mehr bedürfen, weil viele dieser Unternehmen und Institutionen sich freiwillig im Dunstkreis solcher Universitätscluster ansiedeln. Sogar “Auslandsinvestitionen” wären möglich. In dem wir nämlich möglichst viele Studenten aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland dazu überreden, ihr Studium doch bei uns zu absolvieren. Viele werden wieder (hoffentlich mit der besten Meinung über Österreich) zurückgehen, manche werden aber bleiben und dazu beitragen, dass noch mehr Hightech und Forschung sich hier ansiedeln.
Gründung neuer Universitätsstandorte und Ausbau bestehender auf engstem Raum (Alpenrepublik) ist demnach ein Investitionsprogramm neuen Stils. Nicht an den bestehenden Unis sparen, sondern sich für eine “Bahnhofs-, Straßen- und Tunneloffensive” im Bereich der Bildung entscheiden. Dass auch dafür ein wenig Beton notwendig sein wird, könnte auch die Bauwirtschaft beruhigen.
Vielen Dank Matthias!

Brilliant und ganz meine Meinung. Einzig, in einer Krise, wie der Momentanen, sind direkt spürbare Investitionen notwendig. Nochmal, ich bin voll bei Ihnen. Bildung ist unser einziges Kapital, wir haben kein Öl und keine Diamant Minen. Trotzdem, in der Momentanen Phase muss auf den Erhalt der Arbeitsplätze wert gelegt werden. Und die meisten davon hast halt im Baugewerbe….
Habe die Ehre….
Das mit den Arbeitsplätzen im Bau ist so eine Sache. Man denkt da immer an einen Einfamilienhaus-Rohbau, wo die Arbeiter nur so rumwuseln. Die Großbauprojekte sind aber vor allem Maschinenprojekte. Bedenken Sie, wieviel Bauarbeiter Sie auf den oft langen, gesperrten Teilstücken sehen…
Ich will auch sicher nicht den Bau als ganzes “verteufeln”, sondern versuchte durch Überzeichnung auf grundsätzliche – auch sprachlich-semantische – Probleme und daraus erwachsende Wahrnehmungen hinzuweisen.
Letzlich hat natürlich beides seine Berechtigung.
Wobei, wenn es darum geht, wirklich mit “Geld in die Wirtschaft pumpen” Wirkung zu erzielen, dann sind die Großprojekte und Branchen, wo Arbeitskräfte jetzt schon teilweise über “Import” beschafft werden, nur suboptimal geeignet.
Es gibt aber auch arbeitsreiche Bereiche im Bau, zB Renovierung, kleinteilige Thermosanierung, etc. Das ist “Handarbeit”.